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RolandGiersig

Müllentsorgung, aber richtig.

Wie entsorgt man Müll richtig? Müllentsorgung kostet. Wer soll die Kosten bezahlen? Doch wohl der Müll-Verursacher. Doch wer ist das? Der Konsument, der das Produkt kauft? Oder der Produzent? Machen wir uns nichts vor, letztlich zahlt es der Konsument, entweder direkt über den Produktpreis oder indirekt über allgemeine Abgaben. Da ist doch die direkte Verrechnung der Kosten das bessere. In anderen Bereichen spricht man von "total cost of ownership", dieses Prinzip gehört auch auf Konsumgüter angewendet. Der Konsum eines Produkts verursacht eben neben der Herstellung auch Kosten bei der Entsorgung der Verpackung bzw. der Produkt-Reste.

Wie hebt man die Kosten richtig ein? Würden Müllcontainer funktionieren, bei denen man erst Münzen einwerfen muss, bevor sie aufgehen? Nein. Müll ist leicht zu entsorgen, einfach fallen lassen (ausserhalb der eigenen Wohnung) reicht, und schon müssen andere für die Entsorgung sorgen. Im Allgemeinen die Gemeinschaft, denn wir wollen nicht im Müll ersticken.

Insofern ist die Verrechnung der Müllentsorgung in Wien in Ordnung. Für Restmüll muss man zahlen, ob man will oder nicht, aber man hat die Chance, die Restmüllmenge zu reduzieren, indem man Müll trennt. Und die Entsorgung des getrennten Mülls (Glas, Metall, Plastikflaschen, Altpapier) ist kostenlos. So ist es richtig.

Problematisch wird es aber dann später, sobald es an die Verteilung der Müllmengen geht. Die Müllabholer müssen den Müll auch wieder wo loswerden. Und dafür bezahlen. 100 Euro kostet es in Österreich, eine Tonne Müll zu entsorgen, durch Verbrennung oder Deponierung. Diese Entsorgung passiert dann aber eben nach ökologisch akzeptablen Standards. Verfrachtet man den Müll aber ausser Landes, dann wirds billiger, in Osteuropa wird man die Tonne Müll schon um ca. 10 Euro los, aber eben auf oft ökologisch bedenkliche Weise. Doch das ist den Firmen egal, solange es halbwegs legal bzw. mit geringem Risiko verbunden ist, überwiegt der finanzielle Druck.

Wie kann man diese Schere schließen? Indem man auch auf Endentsorgungsebene darauf schaut, dass die Kosten bereits gedeckt sind. Und zwar, indem man bereits beim Verkauf von Produkten die Kosten für die Entsorgung einhebt. Beim Konsumenten? Oder beim Produzenten? Egal, denn letztlich zahlt es der Konsument. Da ist es vielleicht besser, es direkt zu verrechnen, als es versteckt über die erhöhten Herstellungskosten beim Produzenten einzuheben. Noch etwas spricht für die direkte Einhebung beim Verkauf des Produkts: es ist leichter administrierbar.

Würde man eine Müllgebühr beim Produzenten oder Importeur einheben wollen, müsste man fragen "wieviel hast du von XY verkauft", um die Kosten berechnen zu können. Hier bestünde wieder die Gefahr des Schummelns, durch Manipulation der Verkaufszahlen könnte sich der Produzent einen zusätzlichen Gewinn erarbeiten.

Hebt man dagegen die Gebühr beim End-Verkäufer ein, so ist diese Gefahr praktisch nicht-existent, da diese Gebühr für die Verkäufer (wie zB die Mehrwertsteuer) ein Durchlaufposten ist.

Wie sieht die Gebühr aus? Nun, diese muss für jedes Produkt festgelegt werden. Was zunächst eine aufwändige Sache ist auf Grund der Menge der einzustufenden Produkte. Verwaltungstechnisch jedoch nicht, da praktisch alle Produkte bereits über eine eindeutige Identifikation verfügen, den EAN-Code, den man als Strichcode auf jeder Verpackung findet. Lediglich für Direkt-Verkauf zB am Bauernmarkt muss man sich etwas einfallen lassen.

Was passiert mit den eingehobenen Gebühren, der Müll-Steuer? Diese muss natürlich für die Endentsorgung verwendet werden, sodass diese letztlich kostenlos für die Müllabholer wird. Hier öffnet sich allerdings die Kostenschere in die andere Richtung, sodass es für ausländische Müllentsorger interessant würde, ihren Müll unter den bezahlten österreichischen Müll zu schummeln. Die Lösung liegt wohl darin, weiterhin Entsorgungsgebühren an den Endentsorgerstellen zu verlangen, die gleich hoch sind wie die billigsten Entsorger im Ausland. Nur so wird das Kostengefälle vermieden, das zu Mülltourismus führt.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl